Diplom-Übersetzerin - Graduated Translator - Gediplomeerd Vertaalster - Licenciada en Traducción

       Birte Mirbach        

 

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Übersetzungsfehler zum Lachen und Weinen

 

Die Engländer und Amerikaner sind schon ein komisches Volk, möchte man manchmal meinen. Da stehen zwei Frauen vor der Haustür und suchen den Schlüssel im „Taschenbuch“! Sie drücken beim Schreiben eines Romans „die Zunge ganz fest in die Wange“ und glauben, dass Autos geboren werden, und das sogar in der Luft.

 

Ein Volk von Verrückten? Wohl kaum. Sondern viel mehr Opfer von fehlerhaften Übersetzungen. Aber jetzt alles der Reihe nach.

 

Ein „pocketbook“ ist tatsächlich ein Taschenbuch – aber nicht nur. Briten und Amis sprechen eben doch nicht immer die gleiche Sprache: Für einen Amerikaner kann ein pocketbook eben auch eine – Handtasche sein. Und eine Brieftasche übrigens auch. Wetten, dass diese Frau ihren Schlüssel nicht in ihrem Taschenbuch gesucht hat?!

 

Die Autorin, die beim Schreiben ihres Romans ihre „Zunge ganz fest in ihre Wange gedrückt“ hatte, ist übrigens keineswegs eine Verfechterin des Gesichtsaerobics. Offenbar war dem Übersetzer aber der Ausdruck „tongue in cheek“ nicht bekannt, was nichts weiter heißt als „ironisch“.  Ein Schelm, der sich fragt, wo da der gesunde Menschenverstand geblieben war.

 

Auch das „in der Luft geborene Auto“ wurde ganz normal in einer Fabrik zusammengesetzt und nicht von einem Mutterauto durch – ja wo durch eigentlich? Den Auspuff? – ins Leben gepresst. Sie ahnen es schon – auch dies war ein Übersetzungsfehler. Wer ein bisschen Englisch kann, kennt sicher das Verb „to bear“ bzw. Formulierungen wie „he was born in x“. Ein „airborne car“ (man beachte das „e“ am Wortende) hat allerdings nichts mit diesem Verb zu tun. Dieses Auto ist kein futuristisches Wunder der Natur, sondern fährt schlicht und ergreifend gerade so rasant, dass es den Kontakt zum Erdboden verloren hat und sich in der Luft befindet.

 

Wenn man weiß, was dahinter steckt, können solche Übersetzungsfehler recht witzig sein, aber seien wir ehrlich: Wollen wir solchen Schrott ständig lesen? Über eine „Herzattacke“ die eigentlich ein Herzinfarkt ist, kann ich in einem Roman vielleicht noch hinwegsehen. Aber wenn die Betriebsanleitung für das EKG an dem ich hänge vielleicht genauso schlampig übersetzt wurde, gruselt es mich.